MONTREUIL. Frankreich hat im Ende Juni zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahr 2009/10 annähernd 10 Mio t Weichweizen in Drittländer exportiert. Diese vorläufige Bilanz hat das zentrale Landwirtschaftsamt FranceAgriMer auf der jüngsten Sitzung seines Getreiderates in Montreuil gezogen. Michel Ferret, leitender Marktexperte bei der Behörde, sprach von einem „nahezu historischen Rekord“. Das Produktamt korrigierte damit seine Schätzung vom Juni, in der ein Exportvolumen von maximal 9,5 Mio t angepeilt worden war. Ein vergleichbares Ausfuhrniveau wie in der Kampagne 2009/10 war Ferret zufolge zuletzt in den achtziger Jahren erzielt worden, allerdings mit dem Unterschied, dass damals die Hälfte der gesamten Weichweizenausfuhren Frankreichs für die Sowjetunion bestimmt gewesen sei. In der zu Ende gegangenen Kampagne habe es hingegen auch „atypische Kontrakte“ mit Ländern gegeben, die bislang kaum Abnehmer von französischem Weizen gewesen seien, erläuterte Ferret und nannte in dem Zusammenhang Thailand und Mexiko. Zudem hätten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2009/10 zahlreiche traditionelle Kunden ihre Weizenbezüge aus Frankreich erhöht. Dazu zählte zufolge Ägypten, das 1,5 Mio t französischen Weizen abnahm, verglichen mit 960 000 t in der Kampagne zuvor. Algerien habe 3,35 Mio t französischen Weichweizen geordert, wobei in dieser Menge noch nicht ein kurz vor Ablauf des Wirtschaftsjahres geschlossener Kontrakt über 400 000 t berücksichtigt sei, der erst in der neuen Kampagne 2010/11 realisiert werde.
Konkurrenz schläft nicht
Der Jemen im Süden der Arabischen Halbinsel hat FranceAgriMer zufolge seine Bezüge an französischem Weizen in der Kampagne 2009/10 auf 550 000 t ausgeweitet und damit mehr als verdoppelt. Die Elfenbeinküste orderte im Berichtszeitraum 400 000 t Weizen aus Frankreich, verglichen mit 300 000 t in der Kampagne zuvor. Gleichwohl sei die Konkurrenz der deutschen Exporte lebhaft gewesen, räumte Ferret ein. Aufgrund der dort guten Ernte im Jahr 2009 habe das Nachbarland einen ungewöhnlichen Durchbruch an den afrikanischen Märkten und im Mittleren Osten erzielt. Bis Ende April wurden Ferret zufolge 950 000 t deutscher Weichweizen nach Südafrika exportiert, verglichen mit einer Menge von lediglich 200 000 t am 30. April 2009. Die deutsche Konkurrenz profitierte nach den Worten des Franzosen vom Rückzug Argentiniens. Weitere 350 000 t Weizen aus Deutschland seien für Saudi Arabien bestimmt gewesen, verglichen mit lediglich 60 000 t im Jahr zuvor. Außerdem habe Deutschland seine Exporte nach Libyen verdreifacht, während am ägyptischen Markt die Lieferungen von US-Weizen mangels Wettbewerbsfähigkeit in dieser Destination „außer Konkurrenz“ liefen. Die besondere Dynamik der französischen Lieferungen begründet FranceAgiMer mit der Wettbewerbsfähigkeit von französischem Weizen zu Beginn des Wirtschaftsjahres, dem Preisanstieg für US-Weizen, den geringeren Lieferungen aus Argentinien sowie mit der Schwäche des Euro. Die diesjährige Getreideernte in Frankreich wird nach Einschätzung der Fachleute mit voraussichtlich insgesamt 50,7 Mio t niedriger ausfallen als im Vorjahr mit 54,3 Mio t. AgE